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Katalonien bildet den spirituellen Höhepunkt der Papstreise – dort meistert der Pontifex auch die politischen Hürden souverän

ByIndian Admin

Jun 11, 2026
Katalonien bildet den spirituellen Höhepunkt der Papstreise – dort meistert der Pontifex auch die politischen Hürden souverän

Ciro Fusco / EPA

Leo XIV. segnet den neuen Hauptturm der Sagrada Família zum 100. Todestag Antonio Gaudís. Vorher besuchte er ein Gefängnis und das Heiligtum Montserrat. Der Papst wirkte dabei entspannt – und erlaubte sich eine spontane Abweichung vom Protokoll.

Florian Haupt, Montserrat

Aktualisiert


Seit zwanzig Minuten schlagen die Glocken. Nach einem wolkenverhangenen Morgen ist die Sonne hervorgekommen und taucht den Innenhof des katalanischen Heiligtums Montserrat in warmes Licht. Schulkinder aus der ganzen Region erwarten Papst Leo XIV. auf der nächsten Station seiner umjubelten Spanienreise.

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Die Glocken schlagen lange, denn der Heilige Vater ist verspätet. Seine Agenda ist straff, viele Reden, keine Pause seit der Ankunft am Samstag in Madrid. An diesem Morgen hat er noch einen Besuch im Gefängnis Brians eingeschoben, die soziale Botschaft der Kirche ist ihm besonders wichtig. Neben der spirituellen natürlich.

Hier oben in den Bergen ausserhalb Barcelonas steht unter markanten Felsen die berühmte, über 1000 Jahre alte Benediktinerabtei. Die Mare de Déu de Montserrat, die schwarze Madonna im Inneren der Basilika, ist ein Ziel von Pilgern aus aller Welt. Leo XIII. erklärte sie 1844 zur Schutzheiligen Kataloniens. Der nächste Leo hat als Missionar in Peru eine ihr gewidmete Gemeinde geleitet. «Sie hat mich immer begleitet», wird er zu Beginn seiner Predigt auf Katalanisch sagen.

Bei seiner kurzen Ansprache auf dem Balkon in Montserrat zeigt sich der Pontifex als Improvisationskünstler. Diese war im streng getakteten Ablaufplan nicht vorgesehen.

Joan Mateu Parra / AP

Papst Leo XIV. umarmt eine Gefangene während eines Treffens mit rund 80 Insassen im Gefängnis Brians 1 in der Nähe von Barcelona.

Alejandro Garcia / EPA

Sprachenstreit im Vorfeld

Das mit der Sprache war im Vorfeld ein Politikum. In Katalonien war die Empörung gross, als der Erzbischof von Barcelona zunächst alle Einlassungen auf Spanisch vorgesehen hatte. Die zunehmende Verdrängung ihrer Sprache bereitet auch Katalanen Sorgen, die es nicht mit der Unabhängigkeitsbewegung halten.

Deren Befürworter wiederum witterten die Chance auf Symbolik, beim Händeschütteln vor Leos Rede im spanischen Parlament sagte ihm eine Abgeordnete: «Die Sprache der Gastgeber zu sprechen, ist ein wundervoller Akt von Liebe und Respekt. Ich hoffe, Sie geniessen den Besuch in meiner Nation, Katalonien.» Dass sie sich dabei auf Englisch an ihn wandte, machte die Verstimmung in spanischen Medien nicht kleiner.

Doch Leo XIV. steht über solchen Scharmützeln. Auf den Stationen seiner Barcelona-Etappe beginnt er als Geste des Respekts auf Katalanisch und wechselt dann ins Spanische, das er wegen seiner langen Zeit in Lateinamerika perfekt beherrscht. Alle sind zufrieden – so wie schon nach seiner Rede im Parlament, die wegen des ungewöhnlich einhelligen Applauses als «Wunder vom Kongress» in die Schlagzeilen einging.

Der Papst ist ein Fan von allen, und alle sind Fans von ihm

Es ist ein wahrer Triumphzug, den Robert Francis Prevost durch Spanien hinlegt. Die Gläubigen strömen in Scharen, zu einer Messe auf der Madrider Plaza de Cibeles kamen am Wochenende allein 1,2 Millionen Menschen, über zwölf Millionen verfolgten sie im Live-Stream, und etwa 60 Millionen schauten über die sozialen Netzwerke zu, wie spanische Medien berichten.

Selbst die nicht mehr praktizierende Mehrheit des Königreichs zeigt sich beeindruckt von Leos Ausstrahlung und seinem sicheren Wandeln zwischen Diplomatie und Botschaft. Neben der Kraft des Glaubens betont der Papst in diesen Tagen ebenso oft die Kraft von Vernunft und Konsens.

Manche Begleiter im Tross nach Montserrat versichern, dass sie den Mann aus Chicago während seines gut einjährigen Pontifikats noch nie so gelöst erlebt hätten wie dieser Tage. Der enge Kontakt mit den Menschen, die fast ungeteilte Begeisterung über seinen Besuch und die für ihn einfache Kommunikation auf Spanisch verdrängten das nach seiner Wahl zunächst gezeichnete Bild eines schüchternen, womöglich rigiden Papstes. Humor inbegriffen: «Der Papst hält es mit allen Mannschaften, aber Prevost ist Fan von Real Madrid», erklärte er in der Hauptstadt über seine Fussballsympathien, die in Katalonien umstritten sein dürften.

Papst Leo XIV. steht in der Abtei von Montserrat bei Barcelona vor der Statue der Gottesmutter.

Yara Nardi / Reuters

Papst Leo XIV. hat in Spanien ein Gefängnis besucht und den Häftlingen Trost zugesprochen. «Jeder Mensch ist würdig», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Rede, die einen Insassen zu Tränen rührte.

Alejandro Garcia / EPA

Papst Leo XIV. während der Rezitation des heiligen Rosenkranzes in der Abtei von Montserrat.

Quique Garcia / EPA

Papst hebt Jugend hervor und spricht über Missbrauch

Im Atrium vor der Basilika von Montserrat werden nun die Handys gezückt, denn das Schweigen der Glocken kündigt endlich das Kommen des Papstes an. Manche Schüler haben sogar zwei Telefone in der Hand, dafür, dass sie von Klassenkameraden auf die Schultern gehoben werden. Geschrei, Gekreische, es geht zu wie auf dem Pausenhof, im Stadion oder beim Taylor-Swift-Konzert. «Ich hoffe nur, sie haben wenigstens die Hälfte vom Rosenkranz behalten», mahnt eine Lehrerin, während sie eine Schülerin mit Vatikan-Fahne nach vorn schickt. Die Gebete habe man noch schnell pauken lassen, als man für den Besuch ausgewählt worden sei.

Der Papst geht vorbei, eskortiert von einer Gruppe Klerikern, verfolgt von dreimal so vielen Bodyguards. Es dauert kaum länger als beim Radrennen. Ein Junge kommt aus dem Spalier gestürmt: «Er hat meine Hand berührt!» Der Junge, vielleicht zehn Jahre alt, zeigt einer Gruppe von Klassenkameradinnen, wie das passiert ist, er hat seine Hand vorgestreckt, ohne dass er etwas sehen konnte, un

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