Krieg in der Ukraine: Selenski kündigt stärkere Flugabwehr für Odessa und Dnipro an +++ Russische Ölraffinerie getroffen
Die wichtigsten Neuigkeiten zum Ukraine-Krieg im Überblick.
NZZ-RedaktionAktualisiert
Freitag, 1. 5.
21.02: Selenski verspricht stärkere Flugabwehr für Odessa und Dnipro
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Nach schweren russischen Luftangriffen hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski für die Grossstädte Odessa und Dnipro eine Stärkung der Flugabwehr in Aussicht gestellt. «Für Dnipro gibt es zusätzliche Radare, elektronische Störsysteme, zusätzliche Mannschaften», sagte der Staatschef in einer Videoansprache. Auch für Odessa gebe es Lösungen und die Abschussquote steige bereits. «Doch sie muss noch höher sein», gab Selenski als Ziel vor. Das russische Militär versuche mit häufigen und intensiven Angriffen die ukrainische Flugabwehr zu überwinden.
Die südostukrainische Industriestadt Dnipro wurde insbesondere vergangene Woche mit Raketen und Drohnen unterschiedlichen Typs angegriffen. Der Grossraum um die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wird regelmässig von russischen Kampfdrohnen attackiert.
Rettungskräfte am Ort eines russischen Drohnenangriffs in Dnipro.
Stringer / Reuters
17.21: Selenski kündigt Reformen in der Armee an
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat mitten im Krieg Reformen in der Armee angekündigt. «Ich habe die Aufgabe gestellt, die Soldzahlungen spürbar zu erhöhen», teilte der Staatschef bei Telegram mit. Dabei sollen vor allem die Zahlungen bei Kampfeinsätzen erhöht und entsprechende Erfahrungen stärker berücksichtigt werden. Der Sold im Hinterland soll um fast 50 Prozent auf umgerechnet knapp 400 Euro steigen. Für Kampfeinsätze von Infanteristen stellte er mehr als eine Verdreifachung der bisherigen Frontzuschläge von etwas über 1900 Euro in Aussicht.
Wie die erhöhten Ausgaben finanziert werden sollen, erklärte Selenski nicht. Im April hatte die Europäische Union einen Kredit über 90 Milliarden Euro freigegeben. Gemäss Medienberichten kann Kiew mit dem Geld nun erstmals direkt die Armee finanzieren.
10.00 Uhr: Ukraine attackiert erneut Ölterminal am Schwarzen Meer
Ukrainische Drohnen haben in der russischen Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer laut offiziellen Angaben erneut einen Brand im Ölterminal ausgelöst. Tote und Verletzte habe es nicht gegeben, teilte der Krisenstab der südrussischen Region Krasnodar laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Es seien mehr als hundert Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten im Einsatz.
Es war bereits die vierte ukrainische Attacke auf die Ölanlagen innerhalb der letzten zwei Wochen. Das russische Verteidigungsministerium hat den Abschuss von insgesamt 141 ukrainischen Drohnen über eigenem Gebiet gemeldet. Gegen die Einschläge in Tuapse zeigte sich die Flugabwehr aber abermals machtlos.
Donnerstag, 30. 4.
13.08 Uhr: Medwedew nennt Zahl neuer russischer Frontsoldaten
Die russischen Streitkräfte haben laut Angaben des früheren Präsidenten Dmitri Medwedew in den ersten vier Monaten 127 000 weitere Vertragssoldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. «Weitere 10 000 haben einen Vertrag über den Dienst in Freiwilligenbataillonen geschlossen», sagte der als Vizechef des Rats für nationale Sicherheit immer noch einflussreiche Medwedew bei einem Bildungsforum in Moskau. Im Gesamtjahr 2025 waren es laut seinen Angaben 450 000 Kämpfer.
Laut Medwedew ist der Patriotismus der Russen die Quelle für den anhaltenden Zufluss von Soldaten für den Krieg in der Ukraine. Dabei zahlen einzelne Regionen in Russland inzwischen Rekordprämien, um weitere Männer für den Krieg zu gewinnen.
Die Rekrutierungszahlen sind ein wichtiges Indiz für Russlands Potenzial, den Krieg weiterzuführen. Bislang gingen Experten von etwa 30 000 neuen russischen Soldaten pro Monat aus. Medwedews Angaben entsprechen etwas mehr als 34 000 Mann unter Waffen. Ziel der Ukraine ist es, jeweils mehr Gegner dauerhaft kampfunfähig zu machen, also zu töten oder schwer zu verletzen. Laut Angaben des Kommandanten der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, ist dies in den vergangenen Monaten gelungen.
Die Werbeplakate für den Militärdienst, wie hier in Moskau, scheinen zu wirken: Die russische Armee erhält laut eigenen Angaben weiterhin Zulauf.
Maxim Schipenkow / EPA
12.29 Uhr: Ukrainische Drohnen zerstören weitere Ölraffinerie
Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU hat nach eigenen Angaben mit Drohnen eine Raffinerie des russischen Ölkonzerns Lukoil bei Perm angegriffen. Getroffen worden sei eine zentrale Anlage zur primären Ölverarbeitung. Die Raffinerie zählt laut SBU zu den grössten des Landes und liegt rund 1500 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Russische Medien berichteten jedoch ebenfalls über den Vorfall. Angaben zu möglichen Verletzten gibt es bislang nicht.
Ein Satellitenbild zeigt, wie Rauch aus der Raffinerie aufsteigt.
2026 Plante Labs PBC / Handout
11.12 Uhr: Nach Telefonat Trump-Putin: Selenski für längere Waffenruhe
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski bittet die USA um Aufklärung über den Moskauer Vorschlag einer Waffenruhe zum russischen Tag des Sieges am 9. Mai. «Wir werden klären, worum es genau geht – um ein paar Stunden Sicherheit für eine Parade in Moskau oder um mehr», schrieb Selenski in den sozialen Netzwerken.
Der Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump hatten am Vorabend bei einem Telefonat über eine begrenzte Waffenruhe gesprochen. Selenski wies sein Team an, sich mit den Amerikanern in Verbindung zu setzen. «Unser Vorschlag sind ein langfristiger Waffenstillstand, verlässliche und garantierte Sicherheit für die Menschen und ein dauerhafter Frieden», erklärte er.
I have instructed our representatives to contact the team of the President of the United States and clarify the details of Russia’s proposal for a short-term ceasefire. Ukraine seeks peace and is doing the necessary diplomatic work to bring this war to a real end. We will clarify…
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) April 30, 2026
10.34 Uhr: Russische Getreidefracht nach Protest Kiews in Israel abgewiesen
Nach scharfen Protesten aus der Ukraine wird eine russische Lieferung von Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten laut Medienberichten nicht in Israel entladen werden. Die Ladung des russischen Schiffs «Panormitis» werde im israelischen Hafen von Haifa nicht angenommen, berichteten israelische Medien.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hatte zuvor mit Sanktionen gegen alle an dem Handel Beteiligten gedroht. Nach Selenskis Angaben hatte in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Frachter Getreide aus den besetzten ukrainischen Gebieten in Richtung Israel transportiert. Am Montag bestellte das ukrainische Aussenministerium in Kiew deshalb den israelischen Botschafter Michael Brodsky ein. Israels Aussenminister Gideon Saar hatte gefordert, Kiew solle Beweise für seine Vorwürfe vorlegen.
Das israelische Nachrichtenportal «Ynet» berichtete, der Verband der Getreideimporteure in Israel habe mitgeteilt, dass das Getreideimportunternehmen Zenziper gezwungen sei, ein russisches Frachtschiff abzuweisen, dessen Stopp Kiew von Israel gefordert habe. Grund sei der Verdacht, dass es ukrainisches Getreide transportiere, das aus besetzten Gebieten geplündert worden sein soll. Gemäss dem Verband «wird der russische Lieferant der Weizenladung einen anderen Zielhafen finden müssen, um die Fracht zu entladen».
Israeli company Zenziper refused to accept around 25,000 tons of grain from the Russian vessel PANORMITIS
The reason was a statement by Ukraine’s Foreign Ministry that the cargo could be linked to stolen Ukrainian grain from occupied territories.
According to The Marker, after… pic.twitter.com/tBHwJ7YCpw
— NEXTA (@nexta_tv) April 30, 2026
09.46 Uhr: Russische Drohnen treffen Wohnhäuser in Odessa
Durch Einschläge russischer Drohnen sind in der ukrainischen Hafenstadt Odessa laut Behördenangaben mindestens 18 Personen verletzt worden. In einem Hochhaus und einem fünfgeschossigen Wohnblock seien Brände ausgebrochen, teilte der Bürgermeister Serhi Lisak auf Telegram mit.
Die Stadt am Schwarzen Meer war schon in der Nacht zuvor attackiert worden. Dabei war ein Spital beschädigt worden. Odessa ist schwer gegen Luftangriffe zu verteidigen, weil Drohnen und Raketen über das offene Meer anfliegen.
Laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte die russische Armee in der Nacht 207 Kampfdrohnen verschiedener Typen sowie eine ballistische Rakete Iskander-M ein. 172 Drohnen seien ausgeschaltet worden. Aber es habe Einschläge an 22 Orten in der Ukraine gegeben.
Ukrainische Gegenangriffe trafen in der zweiten Nacht in Folge eine Anlage der russischen Ölindustrie bei der Stadt Perm im Ural. Ausserdem wurde eine Sprengstofffabrik in der Stadt Dserschinsk attackiert, wie der russische Telegram-Kanal Astra berichtete.
Nach dem Angriff vom Donnerstag löscht ein Feuerwehrmann Brandherde in Odessa.
Nina Liashonok / Reuters
08.45 Uhr: Ukrainischer Stabschef kündigt Dienstzeitbegrenzung an
Ukrainische Frontsoldaten sollten bis zu zwei Monate an vorderen Stellungen dienen und dann innerhalb eines Monats abgelöst werden. Das kündigt der ukrainische Generalstabschef Olexander Sirski an. «Die Kommandanten müssen sicherstellen, dass die Voraussetzungen gegeben sind, damit das Personal bis zu zwei Monate an seinen Posten verbleibt, danach folgt eine obligatorische Rotation, die innerhalb eines Monats erfolgen muss», sagt er auf Telegram.
Mittwoch, 29. 4.
20.23 Uhr: Trump bestätigt Telefonat mit Putin
Der amerikanische Präsident Donald Trump hat bestätigt, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert zu haben. Dabei sei es auch um eine mögliche Waffenruhe in der Ukraine gegangen. «Wir haben uns gut unterhalten, ich kenne ihn schon lange», so Trump vor Journalisten. Er habe eine «kleine» Waffenruhe vorgeschlagen und denke, dass Putin eine solche ankündigen werde.
Weiter sagte Trump, dass Putin Hilfe bei der Vermittlung mit Iran wegen des angereicherten Urans angeboten habe. Doch Trump habe entgegnet, dass er es viel lieber hätte, wenn Putin sich für ein Ende des Kriegs in der Ukraine einsetzen würde.
